Der Weg aus dem Business-Platform-Dschungel
Ob Website-Builder, Shop-System, Buchungs-Tool, Intranet oder All-in-One-Ökosystem: Die digitale Plattform ist Fundament und Bühne zugleich. Die falsche Wahl kostet Zeit, Geld und Chancen – durch komplexe Prozesse, Frust und Systeme, die nicht mitwachsen.
Was eine Business Platform umfasst
Unter „Business Platform“ fällt die gesamte digitale Infrastruktur, auf der ein Unternehmen arbeitet – unabhängig davon, ob es sich um ein Solo-Business oder eine Konzernstruktur handelt: Website- oder Landingpage-System, Shopsystem oder Mitgliederbereich, Buchungs- oder Kurs-Tools, CRM, Newsletter- oder Automatisierungssysteme, interne Plattformen wie Intranet, Wissensdatenbanken oder Portale.
Kurz: alles, was im Hintergrund dafür sorgt, dass Kund:innen finden, buchen, kaufen – und wiederkommen können. Und intern: dass Teams arbeiten können, ohne ständig an technische Grenzen zu stoßen.
Das kostet die “falsche” Plattform
In jungen Unternehmen führt häufig das Motto „schnell und günstig“ zur Tool-Wahl. In größeren Organisationen sind es historisch gewachsene “Systeme, an denen man halt hängt“. Beides ist nachvollziehbar – und oft der Beginn einer Kettenreaktion, die später richtig teuer wird.
Die Kosten einer unpassenden Plattform sind selten transparent. Sie liegen in Reibungsverlusten, Umwegen und Kompromissen, die Tag für Tag mitlaufen – im Einzelunternehmen genauso wie im Konzern.
1. Zeitverlust durch Workarounds
Fehlende Funktionen werden häufig mit Workarounds kompensiert: zusätzliche Tools, manuelle Exporte, Copy-Paste-Orgien, Excel-Listen. In größeren Teams kommen Schatten-IT, Parallelstrukturen und individuelle Insellösungen hinzu. Solche Lösungen funktionieren oft „für den Moment“, führen aber zu höherem Zeitaufwand, mehr Fehleranfälligkeit, schwieriger wartbaren Setups.
Ressourcen, die eigentlich in Inhalte, Kund:innen, Projekte und Wachstum fließen sollten, werden in das Verwalten der Infrastruktur umgeleitet.
2. Technische Schulden
Bleibt eine Organisation zu lange auf einer ungeeigneten Plattform, entstehen technische Schulden: Strukturen, die nicht skalieren, Daten, die sich nicht sauber migrieren lassen, Integrationen, die nur über Umwege funktionieren.
In kleineren Setups zeigt sich das daran, dass scheinbar einfache Änderungen unverhältnismäßig aufwendig werden. In Unternehmen werden Anpassungen zu eigenständigen Projekten, Budgets steigen und Abhängigkeiten sind kaum noch überschaubar.
Spätestens bei Wachstums- oder Transformationsphasen wird ein Systemwechsel zur Operation am offenen Herzen – mit entsprechenden Risiken und Kosten.
3. Verpasste Chancen in Marketing und Vertrieb
Die Plattform legt fest, wie flexibel Marketing und Vertrieb agieren können:
Wie schnell lassen sich neue Landingpages, Kampagnen oder Produktseiten testen?
Stehen saubere Daten für Tracking und Reporting – auch kanalübergreifend – zur Verfügung?
Sind Schnittstellen für branchenspezifische Anwendungen und Apps vorhanden?
Blockiert die technische Basis hier, bleiben Potenziale liegen: Im Solo-Business können das einige tausend Euro sein, im Unternehmenskontext schnell sechs- oder siebenstellige Beträge pro Jahr.
4. Schlechtes Kundenerlebnis
Kund:innen und Mitarbeitende erleben nicht nur ein Produkt, sondern den gesamten Kaufprozess – extern wie intern.
Mit der falschen Plattform wird die Anwendung zunehmend komplizierter: langsame Ladezeiten, komplizierte Checkouts und Buchungsprozesse, Mitgliederbereiche oder Kundenportale, die improvisiert wirken, interne Abläufe, bei denen einfache Aufgaben unverhältnismäßig lange dauern.
Die Folgen: weniger Vertrauen, weniger Wiederkäufe, weniger Empfehlungen und frustrierte Teams. Eine Plattform, die sich „falsch“ anfühlt, ist langfristig immer teurer, als sie auf dem Papier erscheint.
Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel
Viele Organisationen stellen erst im laufenden Betrieb fest, dass die gewählte Plattform nicht mehr trägt. Die Systeme fühlen sich eng an, Updates sind mühsam und der Gedanke an einen Wechsel löst Widerstand aus.
Welche Option sinnvoll ist, hängt von Reifegrad, Ressourcen, Risikobereitschaft und strategischer Ausrichtung ab. Entscheidend ist, überhaupt eine bewusste Entscheidung zu treffen – nicht jahrelang im „Wir schauen mal, wie lange es noch geht“ zu verharren. Grundsätzlich lassen sich drei Strategien unterscheiden:
1. Bleiben und bewusst begrenzen
Die bestehenden Limits werden akzeptiert, Angebote und Prozesse gezielt verschlankt und die Plattform innerhalb klarer Grenzen weiter genutzt.
Diese Option ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Plattform die aktuellen Geschäftsziele noch zuverlässig unterstützt und Wachstum vorerst nicht im Fokus steht. Wichtig ist jedoch, die Einschränkungen bewusst zu akzeptieren, statt sie dauerhaft mit Workarounds zu überdecken.
2. Schrittweiser Wechsel
Einzelne Bereiche werden nacheinander migriert (z. B. zunächst Website, dann Shop, anschließend Automatisierung oder interne Tools), um Risiken und Komplexität zu reduzieren.
Für die meisten Unternehmen ist dies der empfehlenswerteste Weg: Er verbindet Zukunftsfähigkeit mit operativer Stabilität, ermöglicht schnelle Fortschritte und reduziert das Risiko kostspieliger Fehler während der Transformation.
3. Radikaler Cut
Ein klar definiertes Migrationsprojekt mit Zeitplan, Budget, Verantwortlichkeiten und externer oder interner Expertise wird aufgesetzt, um die Plattform in einem größeren Schritt zu ersetzen.
Diese Strategie eignet sich vor allem dann, wenn die bestehende Plattform bereits zum akuten Wachstumshemmnis geworden ist oder technische Altlasten einen schrittweisen Umbau wirtschaftlich unattraktiv machen. Der höhere Aufwand wird dabei durch einen schnelleren Neustart kompensiert.
„Eine Plattform sollte eine Brücke für dein Business sein – kein Hindernis. Wenn du ständig ihre Grenzen umgehen musst, ist es Zeit, den Kurs zu wechseln.“
Laura Jane Hoffmann | Gründerin | LJAY Agency
Florian Christl: Ein hybrides Modell, das mitwächst
Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Plattformstrategie ist die Online-Präsenz des Komponisten und Pianisten Florian Christl. Was als einfacher Onepager zur Präsentation des Künstlers in 2019 begann, entwickelte sich zu einem umfangreichen Wordpress-Shop für CD’s, Vinyls und mehrere limitierte Auflagen, handgefertigter Notenbücher.
Mit zunehmendem Wachstum stieß dieses Setup jedoch an Grenzen: Der hohe technische Aufwand für die Verwaltung und Präsentation der Unikate belastete die Performance und Fan-Experience, während neue Möglichkeiten, wie die Integration von Merch-Produkten in Spotify-Künstlerprofile, nur über Shopify verfügbar waren.
Gemeinsam entschieden wir uns daher, den Wordpress-Shop zugunsten einer schlankeren und besser auf die Musikbranche abgestimmten Lösung aufzugeben und die Merch-Produkte auf Shopify zu verlagern.
Gleichzeitig blieb das speziell entwickelte “Tour Diary”, in dem Konzertbesucher:innen Kommentare und Bilder hochladen können, auf WordPress bestehen, da diese Funktion dort deutlich flexibler umgesetzt werden konnte.
Das Ergebnis ist ein hybrides Plattformmodell, das die jeweiligen Stärken beider Systeme nutzt und mit dem wachsenden Erfolg des Künstlers Schritt hält.
“Tolle, kreative und kompetente Zusammenarbeit, die meine Vorstellungen perfekt getroffen hat.”
Florian Christl | Komponist & Pianist
Unser Ansatz bei LJAY Agency
Plattformen sind für uns mehr als technische Systeme. Sie sind die Grundlage für erfolgreiche Marken-, Marketing- und Vertriebserlebnisse. Dank unserer Erfahrung mit einer Vielzahl etablierter Plattformen kennen wir die Chancen, Grenzen und typischen Stolperfallen aus der Praxis.
Wir helfen Unternehmen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen, Komplexität zu reduzieren und eine digitale Infrastruktur aufzubauen, die Prozesse vereinfacht, Wachstum ermöglicht und langfristig mit den Anforderungen des Unternehmens mitwächst.
Über die Autorin
Laura Jane Hoffmann ist Gründerin von LJAY Agency und Expertin für Content Marketing, Social Media und digitale Kommunikation. Mit ihrer global aufgestellten Agentur arbeitet sie international und bringt dabei Erfahrungen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen in ihre Arbeit ein. In ihren Beiträgen teilt sie Impulse rund um Content, Social Media und die Entwicklungen, die moderne Markenkommunikation prägen.
Linkedin
Zeit für einen klaren Kurs.
Von der Plattformvielfalt zur passenden Lösung.
Zuletzt aktualisiert: bei Veröffentlichung
Foto Copyright: Laura Jane Hoffmann | Barcelona | 2023
Quellen: Florian Christl